Wie kommt der 2D-Plan Ihres Planers eigentlich auf Ihre 3D-Baggersteuerung?  Meist nur auf Umwegen: Vermessungsingenieur Mario Schneider erklärt in einem Interview den typischen Workflow digitaler Daten sowie dessen übliche Bruchstellen u.a. am Beispiel der nebenstehenden Baustelle.

Wie verläuft der klassische Workflow digitaler Daten?

In der Regel auf Umwegen: Meist erhalten wir von den Planungsbüros 2D-Pläne. Auf ihnen ist vieles sehr schön und detailgetreu dargestellt, was für den Tiefbauer keine Rolle spielt, während die wichtigen Koordinaten für Lage und Höhe (Stichwort Georeferenzierung) an den Daten meistens fehlen. Sie sind aber entscheidend, wenn es darum geht, den Plan für die Bauausführung zu nutzen.

Ein Beispiel hierfür ist die Planung der Baustelle Gau Bickelheim (Seite 26): Der Plan, der uns zur Verfügung gestellt wurde, war bei den Koordinatenwerten annähernd Null abgebildet. Auch sonst werden Detailplanungen oft losgelöst von jedem Lage- und Höhenbezug zur Baustelle konstruiert: So auch die eingezeichneten Stützen und Fundamente der nebenstehenden Baustelle (vgl. Seite 26). Sie sind schön angeordnet, aber eben nicht georeferenziert, also nicht in dem (Landes-) Koordinatensystem der Baustelle geplant (UTM/GK).

Was genau ist Ihre Aufgabe in diesem Workflow?

An diesem Punkt kommen wir ins Spiel:  als Bindeglied zwischen Planer und Baufirma. Im Zuge der Datenaufbereitung sichten wir die Planung, prüfen das Bezugssystem und passen das Gebäude auf der Grundlage bekannter Grenzpunktkoordinaten und vorgegebener Grenzabstände in das Grundstück ein. Dabei prüfen wir auch die Vorgaben wie beispielsweise die Höhe der Bodenplatte und andere Informationen wie Fundamentober- und -unterkanten, Sauberkeitsschichten, etc. Danach bereiten wir die Daten dreidimensional auf, so dass im Ergebnis jeder Punkt, der später abgesteckt oder per Bagger angefahren werden soll, eine Lage- und eine Höhenkoordinate hat, die zum Koordinatensystem der Baustelle passt. Sprich: Wir erstellen aus 2D-Vorlagen dreidimensionale Linien und Punkte und auf deren Grundlage ein digitales Geländemodell – also die benötigte 3D-Planung.

Wo sehen Sie die größte Herausforderung im Hinblick auf einen optimalen Daten-Workflow?

Genau hier: Bei der Erstellung der Grundlagendaten. Egal ob diese von Planungs- oder Vermessungsbüro übernommen werden: Entscheidend ist, dass weder Polier noch Baggerfahrer sich später auf der Baustelle Gedanken machen müssen, ob die Koordinaten stimmen oder nicht. Denn unsaubere Planungsdaten können zu folgenträchtigen Fehlern führen, die meist erst später auffallen und entsprechend teuer werden können.

Wie steht es mit der Umsetzung?

Der typische Workflow sieht in der Regel so aus: Wir werden mit einer Bestandsaufnahme für die Planung beauftragt – sprich: Wir erstellen vor Ort ein Festpunktfeld, messen das vorhandene Gelände auf, prüfen dabei schon Grenzverläufe und bilden dann alles in einer bereits dreidimensionalen, georeferenzierten CAD-Zeichnung ab. Jetzt könnte der Planer theoretisch in diesem System einfach weiterarbeiten und uns seine Planung danach 1 zu 1 wieder zurückschicken. Anstelle dessen schieben und drehen sich aber - wie oben ausgeführt -  viele Planer unsere Bestandsaufnahme an den Blattrand, um leichter arbeiten zu können. Diese Verschiebungen und Drehungen müssen wir im nächsten Schritt wieder rückgängig machen und die Planung an die eigentlich richtige Stelle bringen – mit dem damit verbundenen Mehraufwand bei jeder folgenden Lieferung von Planungsänderungen oder -ergänzungen. Doch die georeferenzierte Planung ist und bleibt die maßgeblichen Grundlage für den Einsatz einer 3D-Baggersteuerung, hat aber eben erst im Zuge der Digitalisierung von Baustellen ihre heutige Bedeutung bekommen.

Können Sie ein Beispiel dafür geben?

Auch hier ist Gau Bickelheim ein anschauliches Beispiel: Herkömmlich wäre ich als Vermesser bei einem solchen Projekt immer wieder zu Baustelle gerufen worden, um beispielsweise die 300 Fundamente einzeln abzustecken. Während der Baggerfahrer dann die eine Grube ausschachtet, hätte er von der nächsten evtl. schon wieder zehn Pflöcke umgefahren, die wir dann wieder hätten nachstecken müssen, usw. Dank digitalem Geländemodell werden dem Baggerfahrer heute die kompletten Absteckdaten virtuell auf dem Display seiner 3D-Baggersteuerung angezeigt. So kann er eigenständig und ungehindert alle Ausschachtungen ausführen und nachträgliche Absteckungen sogar selber mittels Rover oder Löffelspitze vornehmen.

Welche Veränderung ergibt sich mit der Digitalisierung von Bauprozessen?

Für uns Vermesser bringt die Digitalisierung einfach die Notwendigkeit zur Umstellung mit sich: Vor-Ort-Absteckungen werden bei solchen Projekten in immer größerem Umfang von der digitalen Datenaufbereitung abgelöst. Unsere Arbeit verlagert sich damit zunehmend von der Baustelle in den Innendienst. Auf eine Prüfung der Festpunkte vor Ort und die Lokalisierung des MTS-Rover oder Baggersystems vor jedem Baubeginn kann und darf aber weiterhin nicht verzichtet werden.

Für Auftraggeber und Bauunternehmer hat die Digitalisierung viele Vorteile: Bauprozesse werden durchweg optimiert und damit effizienter und wirtschaftlicher. Kein Wunder also, dass die digitale Baustelle für immer mehr Unternehmen ein Thema wird. Aber: Im Hinblick auf die digitale Datenaufbereitung fehlt es den meisten Stand jetzt vor allem an leistungsfähigen CAD-Programmen und dem Know-how, diese sicher und effizient zu bedienen. Um diese Lücke zu schließen, übernehmen wir für MTS-Kunden die digitale Aufbereitung ihrer Daten. Sprich: Baufirmen, die an dieser Stelle eine Unterstützung wünschen, können sich gerne direkt an uns wenden.