Integrationsförderung am Bau: Weiter geht’s immer – man muss es nur wollen

Ein Alptraum: Am 08.09.2009 verlässt der 24-jährige Jan Körner seinen Arbeitsplatz wegen körperlichem Unwohlsein früher als gewohnt.  Zuhause angekommen beginnt ein Schüttelfrost ihn zu quälen und nachts ruft seine damalige Freundin den Notarzt wegen zunehmender Wadenkrämpfe. Sechs Wochen später wacht der junge GaLa-Bauer mit zwei amputierten Unterschenkeln aus dem Koma auf. Die Diagnose: Meningokokken. Heute – nach gut 11 Jahren – sitzt er wieder strahlend im Cockpit seines Baggers und meistert gemeinsam mit seinem Bruder vorzugsweise die Baustellen, an die sich ansonsten keiner ran traut. Maßgebliche Erleichterung verschafft ihm bei vielen seiner Arbeiten der MTS-Tiltrotator; ein durch das Integrationsamt gefördertes „Handgelenk am Baggerarm“.

Woher nimmt ein Mensch mit diesem Schicksal so einen Lebensmut? „Man darf einfach keine Angst haben, denn irgendwie geht‘s immer weiter“, antwortet Körner. „Vor allem, wenn nicht nur die Familie, sondern auch Kollegen und andere Menschen so zu einem halten wie es bei mir der Fall war.“  

Kurz vor Weihnachten hatte er sich nach einer viermonatigen Reha selber aus der Klinik entlassen: Er wollte einfach wieder etwas machen. In der Zwischenzeit hatte sein soziales Umfeld alles Menschenmögliche in Bewegung gesetzt, um seine Landung so sanft wie möglich zu gestalten: „Für meinen Chef war klar, dass er alles tun wird, um mir einen Wiedereinstieg zu ermöglichen. Noch während meines Krankenhausaufenthalts veranlasste er gemeinsam mit Volvo die Umrüstung meines Baggers. Gemeinsam mit dem Integrationsamt kümmerte er sich außerdem um die Förderung der Umrüstung von Körners Sprinter.“  

Parallel dazu kämpfte die BG für die Anerkennung als Arbeitsunfall und eine finanzielle Absicherung – leider ohne Erfolg. „Du hast keine Chance, wenn die Versicherung nicht greift“, meint Körner. „Letztlich wäre ich ohne meinen Chef und die Option auf Integrationshilfen heute Hartz-IV-Empfänger, hätte vom Staat nur meine 100,- Euro jährlichen Steuervorteil und die Erlassung meiner KFZ-Steuer als Bonus auf den Weg bekommen.“

Doch Körners Lebensmut und Lebenswillen haben sich weder davon noch von allem anderen unterkriegen lassen. Seit seiner Rückkehr ins Leben sitzt Körner wieder an seinem Lieblingsarbeitsplatz – dem Cockpit seines Volvo EC250E – und arbeitet von hier nicht nur als Geräteführer, sondern auch als Bauleiter, Polier und Vorarbeiter. Die Prothesen, die seine Unterschenkel und Knie ersetzen, würde niemand bemerken, der ihn und seine Geschichte nicht kennt.

Auch sonst erinnert sein neues Leben eher an die ‚die guten alten Zeiten‘ als an die tragischen Hintergründe: Gemeinsam mit seinen Brüdern schmeißt er nebenbei eine Landwirtschaft und verbringt seine Abende meist draußen auf dem Hof, wo es gemeinsam mit seiner Frau sowie mit seinem Chef und dessen Familie nebst geselligem Beisammensein immer irgendetwas zu werkeln gibt. 

Zu seinem ganz persönlichen Glück ist er seit einem Jahr nun auch noch stolzer Vater. Einer der Herzenswünsche, die für ihn nun noch offen sind, ist es, Betroffenen mit seinem eigenen Beispiel Mut zu machen und seine Erfahrungen anderen auf den Weg zu geben. Wer Fragen hat, darf ihn via Mail (jankoerner85@web.de) kontaktieren. 
 

Auf seinen MTS-Tiltrotator hält der beinamputierte GaLaBauer Jan Körner große Stücke: „Wer seinen Baggerarm um ein „Handgelenk“ erweitert, kann nicht nur deutlich effizienter, sondern auch um ein Vielfaches flexibler arbeiten.“ Vor allem wenn die Platzverhältnisse beengt oder die Arbeitsräume schwer zugänglich sind: „Dank der innenliegenden Zylinder komme ich mit meinem Löffel auch in die entlegensten Ecken und spare mir das zeitaufwändige und meist riskante  Rangieren.“ Das war einer der Gründe, weshalb der Hessische Landeswohlfahrtsverband dem jungen Lebenskünstler das robuste Anbaugerät mit 75 Prozent förderte.

Gleich ob es um anspruchsvolle Aushubarbeiten, das Einebnen von Flächen, das Freilegen von Pfosten oder Transporte mit der Palettengabel geht – Körner hat seinen Tiltrotator täglich im Einsatz. „Beispielsweise wenn im Wasserbau Dämme stückweise abtragen und dann wieder neu aufbauen müssen. Oder wenn Baustelleneinfahrten angelegt, Streifenfundamente ausgegraben oder verwinkelte Stellen um Wände oder Tragsäulen freigelegt werden müssen, kann ich das allein mit meinem Bagger erledigen, ohne dabei mehr auf die herkömmliche Handarbeit angewiesen zu sein.“

Zudem kann Körner dank MTS-Tiltrotator von seinem Volvo 250 E wegarbeiten, ohne sich dabei wie früher selber zuzubauen: „Mit einem normalen Schwenklöffel schafft man Material zum Bagger hin und muss bei beengten Platzverhältnissen dann immer lange überlegen, wie man sich aus der selbst gebauten Sackgasse am besten wieder herausmanövrieren kann. Das spart immens Zeit und vergrößert den eigenen Aktionsradius gewaltig.“

Es sei ein bisschen wie bei einem Schweizer Taschenmesser, weil man immer im Handumdrehen zum Tiltrotator wechseln kann, wenn man ihn an einer Ecke braucht. „Und dank Sandwichbauweise kann ich ihn dann an der nächsten Ecke komplett abkuppeln kann, um bei allen anderen Arbeiten nicht das zusätzliche Gewicht am Löffel zu behalten.  So kann ich wo nötig mit meinem großen Bagger arbeiten, ohne mir für die Arbeit an verwinkelten Stellen immer einen kleinen Bagger holen zu müssen. Unterm Strich spare ich mir so schnell 50 Prozent an Zeit – insbesondere dort, wo es um ein größtmögliches Maß an Flexibilität und Wendigkeit geht.“

Um seinen Chef für den Tiltrotator zu begeistern, hatte es nicht viel gebraucht: „Die Rudolphs sind nicht umsonst bekannt für ihren innovativen Fuhrpark. Wenn ich die Notwendigkeit einer Anschaffung fundiert begründen kann, nimmt die Sache in der Regel ihren Lauf. Vor allem, wenn einem dann noch das Landeswohlfahrtsamt mit einer Förderung unter die Arme greift.  Wenn ich meinem Chef heute immer wieder mal Fotos von meinen Tiltrotator-Einsätzen zeige, fragt auch er sich, wie diese ohne Tiltrotator hätte lösen sollen.“