3D-Baggersteuerung stößt auf großes Interesse

Immer mehr Bauunternehmer setzen auf Satellitennavigation
3D-Baggersteuerungen sind längst kein Thema mehr, das nur Bau-Riesen interessiert. Immer mehr kleine und mittelständische Bauunternehmen erkennen das Potenzial, das sich mit der Nutzung vollständiger 3D-Daten durch Bagger ergibt. Das bewies auch die enorm positive Resonanz auf das jüngste Seminarangebot der Hayinger MTS-Akademie (www.mts-akademie.de): Im Rahmen eines eintägigen Workshops führten vier hochkarätige Referenten die Seminarteilnehmer in die Grundlagen der Satellitenvermessung, Datenaufbereitung, baggerseitigen Vorrüstung und vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten durch Bagger ein.

Dipl-Geol. Ulrike Nohlen und Dipl.-Ing. (FH) Michael Singer führten ihren einleitenden Grundlagenvortrag entlang typischer Fragestellungen. So erfuhren die Teilnehmer beispielsweise, weshalb mittels 3D-Steuerung – je nach Satellitenstand – eine Genauigkeit von bis zu 1 bis 2 cm in Höhe und Lage erreicht werden kann. Werkstattleiter Peter Missel fasste zusammen, worauf es bei der Montage der Komponenten ankommt und erklärte, warum die genaue Ausmessung des Baggers zentrale Voraussetzung für die exakte Umsetzung der Daten ist.

Um den zahlreichen Seminaranmeldungen auch im Praxisteil gerecht zu werden, teilte Seminarleiterin Ulrike Nohlen die Teilnehmer in mehrere Gruppen, die sich zeitgleich an verschiedenen Stationen unterschiedliche Teilbereiche der GPS-Nutzung erarbeiteten. Planer Matthias Geiselhart konnte mit Rover bestückt schon nach einer kurzen Erklärung über das Touchscreen-Display Punkte, Linien und das Volumen eines Steinhaufens aufnehmen, während sich Bauleiter Werner Schramm unter Anleitung von MTS-Chef Rainer Schrode ein paar Meter weiter in das Abstecken von Linien und Trassen einweisen ließ.

Am anderen Ende des Hayinger Demogeländes beugten sich zwei Ingenieure in die Fahrerkabine eines GPS-Baggers, um sich von Geräteführer Franz Herb unterweisen zu lassen, wie man mittels Satellitensteuerung eine Straße mit Bankett anlegt: Mit geübtem Fingerspitzengefühl navigierte Herb den Löffel entlang der Führungslinien, die das digitale Geländemodell anzeigt und demonstrierte, wie präzise man mittels Korrektur durch die Lichtbalkenanzeige Auf- und Abträge vornehmen kann. Parallel dazu kommentierte Dipl.-Ing. Horst Möhrle das per Webcam auf einen Monitor übertragene Vorgehen des Geräteführers für die übrige Teilnehmergruppe.

Dem lebendig gestalteten Praxisabschnitt auf dem weitläufigem Demogelände folgte seitens Ulrike Nohlen ein anschaulicher Vortrag über konkrete Baustellenbeispiele: eine innerörtliche Erschließungsmaßnahme, ein Beispiel aus dem Wasserbau und das Versetzen von Fundamentplatten für eine Photovoltaikanlage. „Das Potenzial der 3D-Steuerung ist enorm“, meint Bauunternehmer Michael Weinberger sichtlich beeindruckt. „Gerade auf kleinen Baustellen mit komplexen Anforderungen oder natürlich auf solchen, die große Erdbewegungen oder zentimetergenaues Arbeiten erfordern“. Bei Projektleiter Hartmut Trenz vom Regierungspräsidium Freiburg war die anfängliche Skepsis gegenüber der neuen Technologie längst der Begeisterung gewichen. Als ehemaligen Vermessungs-Ingenieur beeindruckt ihn vor allem die enorme Zeitersparnis: „ Wo früher 5 Bauzeichner Massen ermittelt haben, erledigt die gleiche Aufgabe heute 1 CAD-Konstrukteur in einem Bruchteil der Zeit am Rechner“. Besonders beeindruckt ist er von der Genauigkeit bei der Herstellung von Querprofilen (RAS-Ausrundungen) und von der exakten Abrechnungsmöglichkeit: „Die im Rechner hinterlegten Daten dienen immer auch als eindeutige Vorgabe für die Kostenprüfung“.

„Und genau das zeichnet die 3D-Technik aus“, greift Ulrike Nohlen die Euphorie der Kursteilnehmer auf. „Dass sich sowohl für Auftraggeber- als auch für Auftragnehmerseite Vorteile ergeben, die zwar nicht deckungsgleich sind, aber auf eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten hinauslaufen.“ Für Hartmut Trenz steht darum außer Frage, dass eine Digitalisierung der kompletten Baustellenabwicklung schon in absehbarer Zeit nicht mehr Ausnahme, sondern Regel ist: „Und zwar bei der Absteckung angefangen über die Herstellung bis hin zur Abrechnung.“